SC Freiburg - FC Bayern München 1:5 (0:2)
1.Bundesliga Frauen, 14.Spieltag
05.05.2005, 14:00 Uhr, 350 Zuschauer, Stadion Bergmattenhof, Spiel-Historie
Der Bann ist gebrochen
An manchen Tagen geht gar nichts, an manchen alles. Zwischen diesen Extremen schwankt die 1.Mannschaft derzeit. Gegen Duisburg top, gegen den FSV Frankfurt flop. Warum das so ist, kann man – wenn überhaupt - nur schwer erklären. In jedem Fall hilft es, den Blick in die Zukunft zu richten und eine Trainerin wie Sissy Raith zu haben: „Ich beobachte und studiere die gegnerischen Teams intensiv und mache mir unglaublich viele Gedanken über meine Mannschaft. Nur hat das dieses Jahr bisher wenig gebracht“. Deshalb entschloss sie sich zu einer ungewöhnlichen Maßnahme: Der Torwarttrainer Peter Kargus übte mit beiden Torfrauen, beim Aufwärmtraining der übrigen Spielerinnen fehlte die Trainerin. Sissy gab eine halbe Stunde vor dem Spiel die Aufstellung bekannt und meinte: „Bis 10 Minuten vor dem Spiel müsst Ihr auf mich verzichten, macht Taktik und Aufwärmen unter euch aus“. Die ungläubig blickenden Spielerinnen hoffen auf einen Scherz, aber Sissy machte Ernst und verschwand zur Besprechung mit Managerin Karin Danner.
Die Spielerinnen wärmten sich bei strömenden Regen dennoch in der Gruppe auf und ein 4-5-1 System mit Pavlina Scasna als Sturmspitze sollte den lange ersehnten Erfolg bringen.
„Direkt vor dem Tor war es schon etwas schmutzig“ (freie Übersetzung aus dem östereichischen), bemerkte Torfrau Birgit Leitner, ansonsten war das Spielfeld von dichtem, etwas zu hohem Rasen belegt. Hinzu kam wechselhaftes Aprilwetter: Während des Aufwärmens regnete es in Strömen, pünktlich zum Spielbeginn zeigte sich die Sonne bei blau-weißem Himmel.
Mit der angesprochenen Vorbereitung lag Sissy offensichtlich völlig richtig: Kaum ertönte der Anpfiff, übernahmen wir das Kommando und setzten Freiburg unter Druck. „Mit voller Absicht“, so scherzte Pavlina Scasna später, schoss sie nach drei Minuten fast von der rechten Außenline ins Freiburger Tor: Ihre Flanke wurde immer länger und senkte sich über Freiburgs Torfrau Vetterlein ins Gehäuse. Es kam zwei Minuten später noch besser: Tanja Wörle kam aus 15 Metern frei zum Schuss und es stand 2:0. Nach diesem fulminanten Auftakt hatte Sissys Team das Spiel im Griff und Freiburg war sichtlich geschockt. Aber langsam erholte sich Freiburg, wobei diese kaum Torgefahr ausstrahlten. Karine Levys Freistoß an Pfosten war die beste Chance (21.Minute), ansonsten strahlte Uli Schmetz im Bayern-Tor Ruhe und Sicherheit aus. Vor der Pause hatten Nina Aigner und Pavlina Scasna 100% Chancen zum 3:0, zielten aber neben das Tor.
Nach dem Wechsel hatte Freiburg eine gute Viertelstunde, die Bayern „bettelten“ etwas um ein Gegentor: Freiburg  wurde mit Melanie Behringers Tor belohnt, die aus 20 Metern traf (56.). Die direkt vom Lehrgang mit dem A-Nationalteam nachträglich zur Mannschaft gestoßene Uli Schmetz war chancenlos.
Nun rissen sich die Gäste zusammen und spielten wieder Fußball. Dafür verantwortlich machte Sissy „Selbstvertrauen und mentale Stärke“ ihres Teams. Freiburgs Torgefährlichkeit nahm nach dem Anschlusstreffer kontinuierlich ab, das bayerische Angriffspiel nahm wieder an Intensität zu. Vor allem Pavlina Scasna war gegenüber den vergangenen Spielen kaum wiederzuerkennen: In vorderster Reihe beschäftigte sie die Freiburger Abwehr alleine. Doch es dauerte bis zur 75.Minute, bis das Spiel auch vom Spielstand entschieden war: Tanja Wörle war in Mittelstürmerposition plötzlich frei und konnte unbedrängt zum 3:1 einschießen. Nun war Freiburg sichtlich geschlagen und bei Bayern die Leichtigkeit des Fußballs zu spüren. Als Nina Aigner vier Minuten vor dem Ende per Freistoß zum 4:1 traf, war deren Erleichterung besonders zu spüren. Torwarttrainer Peter Kargus hatte alle Mühe, die heranstürmende Nina aufzufangen. Danach gaben die B-Juniorinnen Stefanie Seehars und Nathalie Hoare ihr Debüt in Deutschlands höchster Spielklasse: „Mit einem Einsatz habe ich nicht gerechnet. Dass ich dann eingewechselt wurde, fand ich sehr toll“ sagte Stefanie nach dem Spiel. Nathalie hatte sogar das 5:1 auf dem Fuß, „ich traute mich aber nicht“, meinte sie nachher. Doch nur wenig später traute sie sich sehr wohl: Gekonnt legte sie per Querpass Nina das 5:1 vor.
Sissy war sehr froh über die drei Punkte, wichtiger war ihr aber „das Auftreten des Teams, der Siegeswille, das Suchen der Zweikämpfe und das Gestalten des Spiels“. Für die beiden Doppeltorschützen Tanja und Nina freute sie sich besonders. Auch den Einstand von Stefanie und Nathalie fand sie sehr gelungen.

Verfasst von Bernhard Kux
1.Halbzeit
2. Min. 0:1 Tor P. Scasna
5. Min. 0:2 Tor T. Wörle
2.Halbzeit
56. Min. 1:2 Tor M.Behringer
75. Min. 1:3 Tor T. Wörle
86. Min. 1:4 Tor N. Aigner
89. Min. 1:5 Tor N. Aigner
Sonstiges
N.Soeder (Gelbe Karte)
SC Freiburg
Durchschnittsalter: 25.7 Jahre
K. Boschert
N.Soeder
A.Kury
V.Maillard
M.Behringer
K.Bornschein
H.Kutal
S.Schneider
K.Levy
A.Thom
A. Vetterlein


Auswechslungen:

Keine
Nicht eingesetzt:
(7) C.Kaltenbach
(14) C.Höfflin
(24) S.Koger
FC Bayern München
Durchschnittsalter: 23.9 Jahre
U. Schmetz
U. Schmetz
K. Krüger
K. Krüger
B. Eder
B. Eder
D. Urbancova
D. Urbancova
T. Wörle
T. Wörle
P. Scasna
P. Scasna
S. Spieler
S. Spieler
J. Partzsch
J. Partzsch
N. Aigner
N. Aigner
M.Fischer
M.Fischer
S. de Pol
S. de Pol


Auswechslungen:

79. Min:
K. Grießemer
K. Grießemer
für
(20) M.Fischer